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Bild: Kein Plastik, sondern Porzellan: Foekje Fleur gestaltete die „Bottle Vases“, um das globale Müllproblem zu thematisieren. Foto Foekje Fleur
Die niederländische Designerin Foekje Fleur gestaltet nachhaltige Produkte für den Haushalt und nutzt ästhetische Mittel, um das Thema Umweltschutz ins Bewusstsein zu rücken.
Von Jutta Nachtwey
Nirgends wird das Plastikmüll-Problem so deutlich wie am Great Pacific Garbage Patch zwischen Hawaii und Kalifornien: Die Meeresströmung hat hier den größten Abfallstrudel der Welt zusammengetrieben und lässt ihn stetig weiter wachsen. Foekje Fleur las 2009 einen Artikel über dieses Thema und setzte sich dann ausführlicher damit auseinander. Der Beitrag schärfte ihren Blick dafür, dass immer neuer Müllnachschub über die Flüsse in die Weltmeere gelangt, und so begann sie, in ihrer Heimatstadt Rotterdam die Ufer der Maas zu erkunden, wo seit den 1960er Jahren Kunststoffverpackungen angetrieben worden waren. Sie sammelte viele verblichene Flaschen ein und stellte von einigen Exemplaren exakte Porzellankopien her, um mit ästhetischen Mitteln auf das globale Plastikproblem aufmerksam zu machen.

Foekje Fleur studierte Design und Kunst, bevor sie sich in Rotterdam selbstständig machte.
Ihr sogenanntes „Bottle Vase Project“ inspirierte viele Menschen dazu, sich an Strandsäuberungen zu beteiligen. Foekje Fleur lädt auch dazu ein, Fotos von Fundstücken zu posten und mit „@foekje_fleur“ zu taggen. Die schönsten Flaschen lässt sie sich für Limited Editions zusenden, wobei die Teilnehmenden im Gegenzug eine Porzellankopie ihres Fundstücks erhalten. Ein interaktiver Designprozess, der Umweltaktivismus, Community-Aufbau und zugleich das Selbstmarketing fördert.

Auch die Designerin Andrea Arias in Panama-Stadt ließ sich von dem Projekt inspirieren: Sie sammelte angetriebene Plastikflaschen und bemalte sie, um die Erlöse an die Organisation „Marea Verde Panama“ zu spenden, die Flüsse und Strände von Müll befreit. Foekje Fleur ging daraufhin eine Kooperation mit ihr ein: Andrea Arias sammelte weitere Flaschen vor Ort, gemeinsam wählten sie daraus ein Exemplar mit einer geprägten Rosenblüte aus. Anschließend stellte Foekje Fleur die Porzellankopie her, und Andrea Arias gestaltete die Verpackung. Die Erlöse der limitierten Auflage von insgesamt 240 Stück gingen ebenfalls an „Marea Verde Panama“.
Neben dem „Bottle Vase Project“ gestaltete Foekje Fleur einige Produkte, die im Haushalt für mehr Nachhaltigkeit sorgen. Um Kunststoffmüll zu reduzieren, entwickelte sie im Auftrag des Geschenkeartikel-Unternehmens „Goodtogive“ den sogenannten „Bubble Buddy“. Er besteht aus einer Seifenschale und einer Reibe, mit der sich Seifenflocken herstellen lassen. Diese lösen sich in Wasser schnell auf und sind eine umweltfreundliche Alternative zu flüssigen Reinigungsmitteln in Plastikflaschen. Das Farbspektrum umfasst viele verschiedene Nuancen, die neuen Schwung in den Putzalltag bringen. Die „Bubble Buddies“ werden in Delft zu 98 Prozent aus recyceltem Haushaltsplastikmüll hergestellt. Es gibt auch zwei Varianten, bei denen Ozeanplastik zum Einsatz kommt – die dunkelgrüne besteht zu 99 Prozent daraus, die hellgrüne zu 49 Prozent. Für jeden verkauften „Bubble Buddy“ spendet Foekje Fleur 50 Cent an die Organisation „Sea Shepherd“, von der sie auch einen Teil des verarbeiteten Ozeanplastiks bezieht.



Außerdem bietet die Gestalterin passende Seifen für Haushalt und Körperpflege aus ökologisch erzeugten Inhaltsstoffen an, die in Italien von Hand hergestellt werden. Das Verpackungsdesign spielt mit farbigen grafischen Mustern und präsentiert auf der Innenseite eine illustrierte Anweisung für den Gebrauch des „Bubble Buddy“. „Ich versuche, Menschen zum Nachdenken über ihren Konsum anzuregen, und gebe viele Hintergrundinformationen, was hoffentlich zu einer Verhaltensänderung führt“, erklärt Foekje Fleur das Konzept. Zu ihrem Designansatz sagt sie außerdem: „Ich fühle mich sehr verantwortlich für die Auswirkungen meiner Entwürfe auf den Planeten. Dies war auch ein entscheidender Faktor bei vielen Designideen: Da es sich als unmöglich erwies, sie verantwortungsbewusst zu produzieren, wurden sie nie umgesetzt. Glücklicherweise liebe ich Herausforderungen, und meine Kundinnen und Kunden schätzen es, wenn ich endlich einen Weg finde, etwas Farbenfrohes zu schaffen, ohne Kompromisse bei der Nachhaltigkeit einzugehen.“
Auch im Bereich Heimtextilien sorgt sie für frische Impulse: Unter dem Namen „Odds & Ends“ stellt sie zum Beispiel Küchenhandtücher und Waschlappen her, für die sie Baumwoll-Garnreste aus fünf portugiesischen Textilfabriken nutzt. In diesen Betrieben, in denen das überschüssige Material ohnehin anfällt, werden die Produkte von Foekje Fleur dann auch gewebt. Manchmal spiele bei diesem Gestaltungskonzept auch der Zufall mit, erklärt sie, denn ihr Ziel sei es, alle Reste vollständig zu verwerten. Wenn eine Farbe nicht mehr vorrätig ist, wird mit einer ähnlichen weitergewebt. „Die Töne der längs verlaufenden Fäden ändern sich mit jeder Auflage, aber innerhalb einer Auflage ändern sich auch die quer verlaufenden Fäden“, erläutert sie. „Das macht es nicht einfach, die Produkte online zu verkaufen, da es unmöglich ist, alle Farbkombinationen zu erfassen und anzuzeigen.“ Die Abweichungen sind jedoch im wahrsten Sinne des Wortes wertvoll, denn sie kommunizieren das nachhaltige Konzept der Garnresteverwertung.

Die „Odds & Ends“-Heimtextilien bestehen aus Garnresten. Foekje Fleur kombiniert die übrig gebliebenen Farben zu immer neuen Kompositionen.
Außerdem entwickelte Foekje Fleur „Wimpy“, ein Anleitungsset für die Pflege und Reparatur von Wollkleidung. Ob für Secondhand-Käufe oder Produkte aus dem eigenen Kleiderschrank, „Wimpy“ gibt Tipps zum Wiederbeleben oder Personalisieren. Das Set umfasst Werkzeuge zum Stopfen, Fusselentfernen und Filzen sowie Wollfäden und Filzwolle in verschiedenen Farben. Zusätzlich zu den Erklärungen, wie man die Handgriffe richtig ausführt, gibt es auf ihrer Website auch Kurzvideos, etwa über das Schließen von Mottenlöchern durch Trockenfilzen. Die liebevolle Gestaltung des Sets und der Anleitungen motivieren auf jeden Fall dazu, die Reparaturtechniken unserer Großmütter wiederzuentdecken. Während diese ihr Geschick damals nutzten, um Reparaturen möglichst gut zu kaschieren, wird das offensichtlich Geflickte heute zum Statement, das spielerisch eine nachhaltige Gesinnung bezeugt. Fazit: Foekje Fleur gestaltet eben nicht nur farbenfrohe Alltagsgegenstände, sondern treibt auch gleichzeitig in den Köpfen ein Umdenken in Richtung Umweltfreundlichkeit voran.
Weitere Informationen: foekjefleur.com






