„Sonst ist das Thema in Europa beendet.“
An der Technischen Universität Wien entsteht derzeit ein neues Forschungszentrum für E-Mobilität. Institutsvorstand Uwe Grebe sieht in der Technologie noch viel Entwicklungspotenzial – gerade im Hinblick auf automobile Anwendungen. Angesichts der starken Konkurrenz aus China seien eigene Forschung und Ausbildung essenziell.
Von Matthias Köb
Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Gerade im Bereich der Pkws geht der Trend mittlerweile deutlich in Richtung E-Mobilität. So wurden 2025 in Österreich knapp 60.000 neue Pkws mit Elektromotor zugelassen. Das entspricht mehr als 20 Prozent aller Neuzulassungen und einem Plus von rund 35 Prozent. Hingegen gab es bei reinen Verbrennungsmotoren einen Rückgang: bei Diesel-Pkws um etwa 25 Prozent, bei Benzinern von rund 5 Prozent.
Diese Entwicklungen sind dem Institut für Fahrzeugantriebe und Automobiltechnik (IFA) der TU Wien natürlich nicht verborgen geblieben. Oder wie Professor Uwe Grebe, Vorstand des IFA, formuliert: „Unser Institut hatte im Hinblick auf die Verbrennungsmotoren eine hohe Strahlkraft. Doch die Welt hat sich weitergedreht, und wir müssen bei der Elektromobilität stärker in die Komponenten hineingehen.“ Die Konsequenz daraus: Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern Rudolf Krizan und Christian Junger arbeitet Grebe derzeit am Aufbau des neuen „eMOTION Lab“, eines Zentrums für innovative Antriebstechnik. Denn: „Zu sagen, beim Elektromotor sei alles schon entwickelt, ist vollkommen falsch – wir stecken bei automobilen Anwendungen noch in den Kinderschuhen“, so Grebe.

Die wichtigste Ressource, die wir haben, sind die Menschen – wenn wir sie nicht ausbilden, ist das Thema Ingenieurwesen für Mobilität in Europa beendet
Dr. Uwe Dieter Grebe. Foto TU Wien
Als Beispiel – und gleichzeitig einen der Schwerpunkte des „eMOTION Lab“ – nennt Rudolf Krizan das Thermomanagement: „Bei Verbrennern hat man reichlich thermische Energie zur Verfügung, die man in sämtlichen Bereichen verwenden kann. Im E-Fahrzeug hat man hingegen Probleme, den Fahrgastraum zu erwärmen und gleichzeitig – und das ist der eigentliche kritische Punkt – die Batterie so zu konditionieren, dass man möglichst viel aus ihr rausziehen kann. Thermomanagement ist einer der entscheidenden Hebel für Reichweite, Lebensdauer und Komfort von Elektrofahrzeugen.“ Ebenso liegt ein Schwerpunkt darauf, die Umwandlung von Gleichstrom (Batterie) in Wechselstrom (Antrieb) möglichst effizient zu gestalten.
Ein anderer Forschungsaspekt konzentriert sich darauf, die Fahrzeuge als Gesamtsystem zu denken – also nicht nur rein auf den Antrieb bezogen, sondern als ein Zusammenspiel aller Komponenten. „Kabel, Batterie, Ladeschnittstelle, Steuergeräte – dieses ganze System sollte möglichst simpel gestaltet werden, damit möglichst viele Fahrzeug- und Ausstattungsvarianten ausgerollt werden können, ohne große Änderungen vornehmen zu müssen. Gerade in Europa waren wir ja führend darin, in jedes noch so kleine Modul ein eigenes Steuergerät einzusetzen. Der Trend geht klar in Richtung weniger Komponenten und mehr Zentralisierung“, erklärt Junger. Drei Prüfzellen mit modernster Test- und Prüftechnik des Technologieunternehmens AVL werden im neuen Lab dafür zur Verfügung stehen.
In all diesen Bereichen liegen laut Grebe große Potenziale, auch im Hinblick auf den Nutzen für Endkundinnen und -kunden. „Am Ende des Tages geht es darum, ein möglichst kostengünstiges Fahrzeug zu bauen, das sich viele Nutzerinnen und Nutzer leisten können und mit dem man möglichst weit fahren kann“, so Grebe.
Finanziert werden soll das Labor auch über eine enge Zusammenarbeit mit der Industrie. Jedoch stellt er klar: „Unser Ziel ist es nicht, Infrastruktur zu vermieten, sondern gemeinsam mit der Industrie Lösungen zu entwickeln. Denn das neue Lab ist nicht das Produkt, es ist unser Werkzeug“, so Grebe. Doktorandinnen und Doktoranden knüpfen dadurch schon während der Ausbildung enge Kontakte zur Industrie und werden zu gefragten Fachkräften von morgen. Zudem entstehe nur durch Kooperationen, bei denen die TU Wien bzw. das IFA selbst eng mit der Industrie zusammenarbeite, die wahre Wertschöpfung: „Alles, was im ‚eMOTION Lab‘ passiert, wird von uns begleitet, und damit lernen wir automatisch mit. Die eigentliche Wertschöpfung ist das Know-how.“ Und diese sei gerade im Hinblick auf die derzeit heiß diskutierte Konkurrenz aus China von entscheidender Bedeutung. „Die wichtigste Ressource, die wir haben, sind die Menschen – wenn wir sie nicht ausbilden, ist das Thema Ingenieurwesen für Mobilität in Europa beendet.“






