Sprachen lernen per App
Ob für Reise, Job oder aus Neugier – Apps ersetzen längst den VHS-Kurs und gestalten das Sprachenlernen einfach, individuell und praxisnah. Für jeden Lernstil gibt es das passende Format, vom schnellen Einstieg bis zum Dialog mit Muttersprachlerinnen und -sprachlern.
Von Babette Karner
Sprachenlernen war noch nie so flexibel und individuell wie heute. Ganz gleich, ob man sich auf eine Reise vorbereitet, beruflich neue Sprachkenntnisse benötigt, bereits vorhandene auffrischen oder einfach den eigenen Horizont erweitern möchte: Digitale Tools machen das Erlernen einer Sprache um vieles einfacher als zu den Zeiten, als die einzige Möglichkeit ein Kurs an der Volkshochschule war. Auch das Selbststudium von Sprachen jenseits der Klassiker Englisch, Spanisch und Italienisch ist heute per App problemlos möglich.
Die folgenden Beispiele zeigen auf, welche Apps sich für welche Bedürfnisse, Interessen und Lernstile besonders eignen: Wer spielerisch starten möchte, greift zu „Duolingo“ oder „Memrise“. Für praxisnahe Lektionen sind „Babbel“ und „Busuu“ empfehlenswert, während „LingQ“ mit authentischen Inhalten punktet. „Italki“ und „Tandem“ bieten direkten Kontakt zu Menschen aus dem Sprachland – ein wichtiges Detail, wenn man eine Sprache aktiv sprechen und im Alltag anwenden möchte.
Duolingo: Spielerisch weltweite Sprachen lernen
„Duolingo“ ist der Klassiker unter den Sprachlern-Apps. Mit kurzen, spielerisch aufgebauten Lektionen bleibt die Motivation auch im Alltag hoch. Grammatik, Wortschatz und Hörverständnis werden in kleinen Einheiten vermittelt, die sich leicht einbauen lassen. Für Anfängerinnen und Anfänger ist „Duolingo“ ein idealer Einstieg, denn Grundkenntnisse lassen sich so einfach erlernen. Das Angebot an weltweiten Sprachen ist beeindruckend, auch Koreanisch, Walisisch, Arabisch oder Neugriechisch können mit der App geübt werden. Für die Ausgangssprache Deutsch sind allerdings nur Klassiker wie Englisch, Französisch, Spanisch oder Italienisch verfügbar. Fortgeschrittenen bietet „Duolingo“ zu wenig Tiefe, auch kommt die Sprachpraxis zu kurz.

Verfügbarkeit & Kosten: iOS, Android, Web; mit Werbung kostenlos, die Premium-Version „Super Duolingo“ gibt es ab ca. 7 €/Monat.
Babbel: alltagserprobt
„Babbel“ legt den Fokus auf praxisnahes Lernen. Die Lektionen orientieren sich an realen Gesprächssituationen und erklären die Grammatik verständlich und systematisch. Muttersprachlerinnen und -sprachler sprechen alle Dialoge ein, was das Hörverständnis verbessert und die Aussprache trainiert. Die Inhalte sind hochwertig, jedoch ist nur eine begrenzte Anzahl an Sprachen verfügbar.

Verfügbarkeit & Kosten: iOS, Android, Web; Abo ab ca. 6 €/Monat.
Busuu: individuell und sozial
„Busuu“ verbindet strukturierte Lektionen mit sozialem Austausch. Lernende können ihre Übungen von Menschen aus dem Sprachland korrigieren lassen und umgekehrt Feedback geben. Ein individueller Lernplan sorgt dafür, dass man am Ball bleibt und die Möglichkeit, Inhalte offline zu nutzen, macht „Busuu“ besonders praktisch für unterwegs.

Verfügbarkeit & Kosten: iOS, Android, Web; mit Werbung kostenlos, Premium-Version ab ca. 6,50 €/Monat.
Memrise: spielend den Wortschatz erweitern
„Memrise“ setzt auf kreative Methoden zur Wortschatzerweiterung. Eselsbrücken, Wiederholungen und Videos von Muttersprachlerinnen und -sprachlern sorgen dafür, dass neue Vokabeln lange im Gedächtnis bleiben. Die App eignet sich daher besonders gut, um schnell und spielerisch Wörter zu lernen. Die Grammatikvermittlung ist eher begrenzt, doch für das Training von Aussprache und Wortschatz ist „Memrise“ ein perfektes Tool

Verfügbarkeit & Kosten: iOS, Android, Web; mit Werbung kostenlos, Premium-Version ab ca. 8 €/Monat.
LingQ: authentisch Sprachen erfahren
Die App „LingQ“ hat einen ganz anderen Ansatz: Hier lernt man mit authentischen Inhalten wie Artikeln, Podcasts, Videos oder Büchern. Unbekannte Wörter können markiert und direkt ins persönliche Vokabeltraining übernommen werden. Diese Methode eignet sich besonders für fortgeschrittene Lernende, die über das Schulbuchniveau hinaus echte Sprachpraxis erwerben möchten.

Verfügbarkeit & Kosten: iOS, Android, Web; mit Werbung kostenlos, Premium-Version ab ca. 10 €/Monat.
italki: mit den Profis lernen
Bei „italki“ stehen persönliche Gespräche mit echten Muttersprachlerinnen und -sprachlern im Vordergrund. Lernende können aus Tausenden Lehrkräften weltweit wählen – von zertifizierten Lehrerinnen und Lehrern bis hin zu Community-Tutorinnen und -Tutoren. Der Unterricht erfolgt flexibel per Videochat, individuell auf die eigenen Ziele zugeschnitten. Diese App ist ideal, wenn man Wert auf direkte Kommunikation und maßgeschneiderte Betreuung legt.

Verfügbarkeit & Kosten: iOS, Android, Web; Preise je nach Lehrkraft (ab ca. 5 €/Stunde).
Tandem: gegenseitiges Lernen im Austausch
Die App „Tandem“ ist eine kostenlose digitale Plattform, die Menschen unterschiedlicher Sprachen miteinander verbindet, damit sie ihre Fremdsprachenkenntnisse durch gegenseitige Hilfe verbessern können. Per Text-, Audio- oder Videochat lehrt und lernt man die jeweils andere Sprache. So entsteht nicht nur authentische Sprachpraxis, sondern oft auch ein kultureller Austausch. Eigeninitiative ist gefragt, doch dafür sind die Unterhaltungen besonders lebendig und realitätsnah.

Verfügbarkeit & Kosten: iOS, Android, Web; mit Werbung kostenlos, Premium-Version ab ca. 6 €/Monat.
„Easy Languages“ auf YouTube:
Alltagssprache für Fortgeschrittene
Zu guter Letzt noch eine Empfehlung für fortgeschrittene Sprachliebhaberinnen und -liebhaber: Die Reihe „Easy Languages“ („Easy Spanish“, „Easy French“, „Easy Japanese“ etc.) auf YouTube ist ideal, um den authentischen Klang von Sprachen ins Ohr zu bekommen. In kurzen Straßeninterviews sprechen Muttersprachlerinnen und -sprachler über unterschiedlichste Alltagsthemen, dabei erscheinen die Untertitel zweisprachig – in der Originalsprache und in Englisch. So trainiert man Hörverstehen sowie Wortschatz und lernt auf unterhaltsame Weise den Alltag des jeweiligen Landes kennen






