Fakten sind nur einen Klick entfernt
Foto Jeff Mangione
Eine WhatsApp-Nachricht am Frühstückstisch, ein Facebook-Post am Nachmittag, ein TikTok-Video vor dem Schlafengehen: An einem einzigen Tag werden wir mit Hunderten Behauptungen konfrontiert. Manche sind harmlos, andere können Vertrauen untergraben oder sogar Gewalt befeuern. Medienkompetenz bedeutet deshalb nicht nur, Informationen zu konsumieren, sondern sie auch zu prüfen. Die gute Nachricht: Wir müssen das nicht allein tun. Es gibt eine Reihe von Tools, die uns dabei helfen können, den Überblick zu behalten. Von Naz Küçüktekin
Die Austria Presse Agentur (APA) betreibt mit dem APA-Faktencheck eine Anlaufstelle für alle, die wissen wollen, ob ein Gerücht stimmt. Hier werden kursierende Behauptungen systematisch geprüft, Quellen offengelegt und die Ergebnisse nachvollziehbar erklärt. Mit GADMO, dem „German-Austrian Digital Media Observatory“, gibt es zudem einen größeren Verbund, in dem APA, AFP, CORRECTIV, dpa und weitere Organisationen zusammenarbeiten, um Desinformation im deutschsprachigen Raum zu identifizieren. Wem also ein verdächtiger Screenshot weitergeleitet wird, der kann ihn bei GADMO einreichen – und je nach Relevanz und Ressourcen wird die Behauptung möglicherweise überprüft und veröffentlicht.
Auch „Mimikama“ bietet seit Jahren Aufklärung: Der Verein ist auf Social-Media-Mythen spezialisiert und erklärt nicht nur, ob ein Gerücht wahr ist, sondern oft auch, wie es entstanden ist.
„BAIT“ richtet sich vor allem an Jugendliche: In kurzen TikTok-Videos erklärt „BAIT“ Falschmeldungen, Verschwörungsmythen oder virale Gerüchte und gibt Einblicke in die eigene Recherche.
Der Medien-Watchblog „Kobuk.at“ des Vereins für kritischen Medienkonsum geht noch einen Schritt weiter: Er untersucht nicht nur einzelne Behauptungen, sondern beleuchtet auch Muster in der Berichterstattung – etwa reißerische Schlagzeilen oder wiederkehrende Narrative in der österreichischen Medienlandschaft.
Auch international gibt es etablierte Plattformen wie „Snopes“ (USA), eine der ältesten Faktencheck-Seiten überhaupt, oder „PolitiFact“ (USA), die politische Aussagen mit ihrem „Truth-O-Meter“ bewertet. Außerdem betreibt die Nachrichtenagentur AFP ein weltweit agierendes Fact-Checking-Team, das in mehreren Sprachen arbeitet. Gerade in Zeiten globaler Krisen wie Pandemien, Kriegen oder Wahlen hilft dieser Blick über den Tellerrand, Falschmeldungen aus dem Ausland schneller zu erkennen.
Wirken nur, wenn wir sie nutzen
Wer darüber hinaus selbst recherchieren will, kann den „Google Fact Check Explorer“ nutzen. Das Tool sammelt Faktenchecks aus der ganzen Welt: Gibt man dort eine Behauptung ein, zeigt es, welche Organisationen sie bereits überprüft haben – samt Bewertung und Quellen.
Diese Angebote sind wertvoll, wirken aber nur, wenn wir sie nutzen: innehalten, bevor wir etwas weiterleiten. Den Screenshot nicht ungeprüft in den nächsten Gruppenchat stellen, sondern kurz nachsehen, ob ein Faktencheck existiert. Und wenn man einen guten Check gefunden hat, diesen teilen. So können Korrekturen genauso viral gehen wie Gerüchte.
Gerade jetzt, wo KI-Deepfakes immer überzeugender werden und Plattformen ihre Moderations- und Faktencheck-Programme laufend anpassen, sind diese Werkzeuge wichtiger denn je. Wer sie nutzt, stärkt nicht nur das eigene Wissen, sondern auch das Informationsökosystem insgesamt. Fakes und Desinformationen sind oft nur einen Klick weit entfernt – Fakten und die Einordnung aber auch.
apa.at/service/faktencheck-2
Naz Küçüktekin ist seit 2018 als Journalistin tätig. Seit 2023 arbeitet sie als freie Journalistin. Sie ist Organisationsmitglied des Netzwerks „Klimajournalismus Österreich“ und Teil des „FYI-Kollektivs“. Mit den Vereinen „Lie Detectors“ und „Digitaler Kompass“ ist sie als Medientrainerin regelmäßig an Schulen unterwegs, um über Fake News aufzuklären.






