Filmempfehlungen

The Chronology of Water © Alamode-Film Polyfilm


Diagonale ’26 in Graz
Die Diagonale – Festival des österreichischen Films findet vom 18. bis 23. März 2026 zum 29. Mal in Graz statt. Auch im dritten Jahr unter der Leitung des Intendant:innen-Duos Dominik Kamalzadeh und Claudia Slanar wird das Festival  als Ort der Begegnung, auch der unerwarteten, des Austauschs und der Ausrichtung auf neue Horizonte weiter ausgebaut werden. Eröffnet wird mit der Österreichpremiere von Markus Schleinzers neuem Spielfilm „Rose“. diagonale.at

ROSE
VON MARKUS SCHLEINZER
(AT/DE 2026, 93 min, sw)
Rose

Rose © Schubert / ROW Pictures / Walker+Worm Film / Gerald Kerkletz



Vier minus drei

Regie: Adrian Goiginger
Ö/D 2026, 120 Minuten
(im Kino)

Barbara, Heli, Thimo und Fini – eine ganz normale Clownfamilie in Graz. Heli (Robert Stadlober), der Bühnenclown, unterhält die Menschen mit der schweren Leichtigkeit eines Luftballons. Barbara hingegen zaubert als Krankenhausclown Kindern ein Lächeln ins Gesicht. Beide nehmen das Lachen ernst. Doch Barbaras Welt zerbricht, als sie diesen einen Anruf erhält: Ein gelber Clownbus hatte an einem Bahnübergang einen Unfall. Heli, Thimo, Fini? Tot.
Adrian Goiginger wagt sich in „Vier minus drei“ an die Verfilmung der gleichnamigen Autobiografie von Barbara Pachl-Eberhart. Sie ging damals mit einem offenen Brief, der ihre Gefühlswelt beschrieb, an die Öffentlichkeit. Daraus entstand das Buch. Der Film teilt sich in zwei Erzählstränge: Zum einen geht es um die Trauerarbeit Barbaras, die mit großer Intensität von Valerie Pachner einnehmend verkörpert wird. Hier finden sich auch die stärksten Szenen, wenn etwa auf dem „Clownbegräbnis“, trotz der starren Traditionen am Land, Artisten und Artistinnen singen, jonglieren und musizieren. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Gleichzeitig erinnern Rückblenden an die gemeinsame Zeit: Bilder, Töne des Glücks, aber auch Zank um die Zukunft der Familie, die noch ein Konjunktiv war und keine kalte Gewissheit. Wie den Platz im Leben wiederfinden, wenn man den Boden unter den Füßen verloren hat? (Martin Nguyen)



Nouvelle Vague

Regie: Richard Linklater
F 2025, 105 Minuten
(ab 12. März im Kino)

„Außer Atem“, der Erstlingsfilm von Jean-Luc Godard, war 1960 ein einflussreicher Meilenstein der Filmgeschichte. Nur wussten das die Macher natürlich nicht. Der Amerikaner Richard Linklater erzählt in „Nouvelle Vague“ mit viel Witz und Charme die Entstehungsgeschichte dieses Klassikers im Stil und Look des Films selbst: in Schwarz-Weiß und mit der gleichen Kamera.
Godard (Guillaume Marbeck) war ein 28-jähriger Filmkritiker der Zeitschrift „cahiers du cinéma“. Er hinkte seinen schreibenden Kollegen wie Truffaut und Chabrol hinterher: Sie alle hatten schon ihren ersten eigenen Film gedreht. Vom Willen angetrieben, alte Filmkonventionen über Bord zu werfen, mit wenig Geld und skizzierten Drehbuchszenen trieb Godard nicht nur seinem Produzenten Schweißperlen auf die Stirn. Gingen ihm die Ideen aus, war an diesem Tag Schluss. Er wollte den Moment einfangen, improvisieren, nicht zu Tode proben. Während sich seine amerikanische Darstellerin Jean Seberg (Zoey Deutch) fragte, was sie auf diesem Set soll, nahm es ihr junger Filmpartner Jean-Paul Belmondo (Aubry Dullin) mit einem Lächeln.
Der Film fängt gekonnt den Stil und die Mode der 1950er Jahre ein, das Lebensgefühl junger Menschen, die miteinander abhängen und für die einen Moment lang alles möglich erscheint. Eine filmgeschichtliche Zeitreise, ein leichtfüßiges Vergnügen für Cineastinnen und Cineasten, das sich vor Godard und seinem Klassiker verneigt. (Martin Nguyen)



To A Land Unknown

Regie: Mahdi Fleifel
GB/PSE/F/GR/NL/D/QAT/SAU 2025,
105 Minuten
(ab 13. März im Kino)

„Das hier ist nicht Europa.“ Die zwei palästinensischen Cousins Chatila (Mahmood Bakri) und Reda (Aram Sabbah) sind wie viele andere Flüchtlinge im heutigen Athen gestrandet. Sehnsuchtsort der beiden ist jedoch Deutschland; ihr Traum: ein Café zu eröffnen und die Familie nachzuholen. Für die gefälschten Papiere fehlt das Geld. Die wenigen Euros aus Gelegenheitsdiebstählen verbrennt der drogensüchtige Reda, auch der Verkauf seines Körpers im Stricherpark erhöht das Sparguthaben nicht. Sie treffen auf den 13-jährigen Malik (Mohammad Alsurafa), einen minderjährigen Palästinenser, der sich alleine zu seiner Tante in Italien durchschlagen will. Doch betrügerische Mittelsmänner haben ihm das Geld abgenommen. Nun ist auch er im griechischen Niemandsland gestrandet.
Mobile Handkamera, naturalistisches  – der palästinensisch-dänische Regisseur Mahdi Fleifel vereint in seinem auf realen Personen basierenden Spielfilmdebüt „To a Land Unknown“ die dokumentarische Handschrift mit poetischen Bildern. Zunächst kümmern sich die zwei ungleichen Cousins selbstlos um Malik, bevor sie sich aus Verzweiflung selbst als seine Mittelsmänner versuchen. Es um jeden Preis schaffen, den Erwartungen der Zurückgebliebenen gerecht werden und sich dabei selbst nicht verlieren? Ein beinahe unmöglicher Spagat, der zu drastischen Maßnahmen in dem dramatischen Thriller führt. (Martin Nguyen)



The Chronology of Water

Regie: Kristen Stewart
USA/F/LV 2025, 128 Minuten
(ab 20. März im Kino)

Mit dem bei den Filmfestspielen in Cannes gefeierten Regiedebüt „The Chronology of Water“ adaptierte die US-amerikanische Schauspielerin Kristen Stewart die gleichnamigen Memoiren der 1963 geborenen Autorin Lidia Yuknavitch. Wasser spielt dabei eine zentrale Rolle. Das Schwimmbecken und das Leistungsschwimmen werden für Lidia (schonungslos großartig: Imogen Poots) zum Zufluchtsort vor einer dysfunktionalen Kindheit: Der Architektenvater (Michael Epp) missbraucht seine beiden Töchter verbal, physisch und sexuell. Die Mutter verfällt dem Alkohol und sieht tatenlos zu.
Gedreht auf körnigem 16-mm-Filmmaterial mit Nahaufnahmen von Haut, Haaren und Wasser, dazu geflüsterte Textfragmente – eine filmische Übersetzung der desorientierten Verzweiflung. Den Traum einer Schwimm-olympiateilnahme beendet Lidias selbstzerstörerischer Drogen-, Sex- und Alkoholmissbrauch, ihr neugeborenes Baby atmet nicht. Sie schreibt sich ihre Trauer vom Leib, verfasst Kurzgeschichten. Schließlich lässt sie sich überreden, den Kurs des Autors und Kiffers Ken Kesey (James Belushi) zu besuchen, und findet den Mut und ihre literarische Stimme, um sich der Missbrauchserfahrung zu stellen. Auch um am Ende sich selbst zu retten. „Schauspielerinnen werden nicht ernst genommen“, sagt Kristen Stewart, zunächst bekannt für ihre Rolle in den „Twilight“-Filmen, bevor sie auch im Arthousekino reüssierte. Spätestens als Regisseurin ist sie eine Stimme, die ernst zu nehmen ist. (Martin Nguyen)

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