Editorial
Foto Angela Lamprecht
Liebe Leserinnen und Leser,
ich gebe zu: Manchmal sind die Nachrichten nicht auszuhalten – zu viele Krisen, Konflikte und Katastrophen. Ich brauche dann eine Pause zum Luftholen und Freiraum für eigene Gedanken. In einem solchen Moment entstand die Idee für den Heftschwerpunkt „Lichtblicke“ – als offensives Gegenprogramm zur Dauerdüsternis. Denn ungeachtet der negativen Schlagzeilen gibt es Menschen, die sich engagieren, Unternehmen, die neue Wege gehen, und Forschende, die Lösungen ermöglichen. Wir haben also Themen für Sie gesammelt, die Mut machen und echte Hoffnung schenken – denn allein schon das entfaltet im realen Leben bereits erstaunliche Wirkung.
Warum Zuversicht in schweren Zeiten immer schon eine besondere Bedeutung hatte, erläutert Ulrich Grober in seinem Essay. Er spürt den Wurzeln des Begriffs bis in die Spätantike nach und schlägt den Bogen zu einer Gen-Z-Influencerin, die den Antrieb für ihr Engagement mit „Radical hope“ beschreibt. Außerdem stellen wir Ihnen die Architektin Anna Heringer vor, die nicht nur Pionierin des nachhaltigen Bauens ist, sondern auch eine Frauenkooperative für faire Mode und Textilkunst in Bangladesch mitinitiiert hat. Ihr Credo: Man sollte sich nicht von der Realität lähmen lassen, sondern sich vehement auf das konzentrieren, was man selbst beeinflussen kann.
Wie viel einzelne Menschen bewegen können, beweist auch Andrew Funk, Gründer der privaten Non-Profit-Organisation „Homeless Entrepreneur“, die Obdachlose auf dem Weg zurück in die Gesellschaft begleitet. Er selbst landete nach einer Firmenpleite einst auch auf der Straße – eine Erfahrung, die den Wunsch in ihm weckte, anderen Betroffenen zu helfen.
Wir werfen zudem einen Blick auf die kommende zweite Ausgabe der Klima Biennale Wien, die mittels Kunst neue Zugänge zu Umweltthemen schafft. Neben zwei spannenden Ausstellungen im KunstHausWien empfehlen wir das Projekt „Licht für Vielfalt“ von Adam Hudec: Er macht in einem Wiener Park nicht nur nächtliches Insektenleben erfahrbar, sondern auch, wie Lichtverschmutzung ökologische Kreisläufe beeinflusst.
Dass sich das Thema Umweltschutz auch mit ästhetischen Mitteln ins Bewusstsein rücken lässt, zeigt die Designerin Foekje Fleur: Ihre Porzellankopien von angespülten Plastikflaschen machen auf die Verschmutzung der Weltmeere aufmerksam und inspirieren zu Beach Cleanups. Aber auch für Leib und Seele gibt es Lichtblicke: Wir erklären, warum Radfahren und Wandern wohltuend sind, und stellen Ihnen das Restaurant „Guat’z Essen“ im Zillertal vor, wo Kulinarik und Permakultur zu Hochgenuss verschmelzen.
Abschließend möchte ich noch einen Gedanken der zuvor erwähnten Architektin Anna Heringer aufgreifen. Aus ihrer Sicht hat jeder Mensch besondere Fähigkeiten, die sich als Hebel für Veränderung einsetzen lassen. Insofern können wir alle auf unsere eigene Weise für neue Lichtblicke sorgen. Ich wünsche eine inspirierende Lektüre!







