Eine lebenswerte Zukunft gestalten

Nachhaltigkeit als gemeinschaftliche Aufgabe
Essay von Markus Preißinger

Eine lebenswerte Zukunft ist keine abstrakte Vision, sondern eine konkrete Verantwortung. Sie bedeutet ein gesundes Klima, soziale Gerechtigkeit, nachhaltiges Wirtschaften und innovative Technologien, die es heutigen und kommenden Generationen ermöglichen, ein sicheres und erfülltes Leben zu führen. Doch wie erreichen wir dieses Ziel? Welche Rolle spielen Forschung, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft in diesem Prozess?

Wissenschaft als Brückenbauer
Ich habe Wissenschaft schon immer sehr breit gesehen – weg von der Vorstellung einer Person, die irgendwo im stillen Kämmerchen experimentell oder simulativ ein Problem knackt. Wissenschaft ist Kommunikation und Diskussion, sie lebt vom Fragen stellen und Lösungen erarbeiten, sie ist aber auch eingebunden in Politik und in die wirtschaftliche Entwicklung.

Die Herausforderungen, vor denen wir heute stehen – Klimawandel, soziale Ungleichheiten, Ressourcenknappheit – können nicht isoliert betrachtet werden. Sie betreffen Wirtschaft, Politik, Gesundheit und Gesellschaft gleichermaßen. Eine lebenswerte Zukunft erfordert eine interdisziplinäre Wissenschaft, die Brücken zwischen verschiedenen Akteurinnen und Akteuren baut – in und außerhalb der Wissenschaft.

Grundlegendes Umdenken
Für die Zukunft benötigen wir ein grundlegendes Umdenken in mehreren zentralen Bereichen. Bildung spielt dabei eine Schlüsselrolle: Nachhaltigkeit muss fester Bestandteil unserer Bildungssysteme sein, damit künftige Generationen ein Bewusstsein für ökologische und gesellschaftliche Herausforderungen entwickeln und innovative Lösungen gestalten können. Gleichzeitig ist soziale Gerechtigkeit essenziell: in einer lebenswerten Zukunft müssen alle Menschen Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung und fairer wirtschaftlicher Teilhabe haben.

Auch die Wirtschaft muss sich anpassen. Unternehmen tragen eine wesentliche Verantwortung, indem sie auf ressourcenschonende Produktionsprozesse, CO2-neutrale Technologien und die Kreislaufwirtschaft setzen. Forschung und Innovation sind dabei treibende Kräfte: Nur wenn Wissenschaft, Industrie und Gesellschaft eng zusammenarbeiten, können wir zukunftsweisende Technologien entwickeln, die langfristig nachhaltige Veränderungen ermöglichen.

Schlüsselthema Energiewende
Ein absolutes Schlüsselthema ist die Energiewende. Ein Mix an unterschiedlichen Technologien ist hier notwendig. Manchmal macht es den Anschein, als wäre das Energiesystem der Zukunft rein elektrisch. Doch thermische Energiesysteme bleiben von zentraler Bedeutung, sei es in thermischen Kraftwerken zur Reststoffverwertung oder im privaten Kontext zum Beispiel die Wärempumpe in Wohngebäuden. Im Josef Ressel Zentrum für Intelligente Thermische Energiesysteme an der „Vorarlberg University of Applied Sciences“ (FHV) haben wir uns in den letzten Jahren intensiv mit der Gestaltung eines resilienten, nachhaltigen und vernetzten Energiesystems beschäftigt.

Doch der technologische Wandel allein genügt nicht. Jeder Einzelne kann und wird seinen Beitrag leisten. Es geht nicht darum, Verzicht zu predigen, sondern bewusste Entscheidungen zu treffen. Ich kann entscheiden, ob ich ein Vollbad oder eine Dusche nehme. Ich kann entscheiden, ob ich wegen einer Tasse Kaffee einen Kaffeevollautomaten aufheize. Ich kann entscheiden, ob ich für Kurzstrecken das Fahrrad oder Auto nehme. Solche Entscheidungen können in Summe eine enorme Wirkung haben.

Es ist aber auch die Politik gefordert. Diese muss Leitplanken vorgeben, die einen nachhaltigen Lebensstil für die Gesellschaft und ein zukunftsorientiertes Wirtschaftssystem unterstützen. Langfristig orientierte Entscheidungen statt kurzfristigen Stimmenfangs, parteiübergreifende Lösungen statt Klientelpolitik. Das kann gelingen, ja, es muss gelingen.

Kreislaufwirtschaft etablieren
Ein Beispiel wären flächendeckende Leitplanken für die Umsetzung der Kreislaufwirtschaft, die schon heute erfolgsversprechende Ansätze bietet, um Klimawandel, Umweltverschmutzung und Ressourcenverschwendung entgegenzuwirken. Unser derzeitiger linearer Umgang mit Ressourcen trägt maßgeblich zu Umweltbelastungen bei. Die Kreislaufwirtschaft hat das Potenzial, diese deutlich zu reduzieren.

Das „Circular Lab“ an der FHV setzt genau da an: wir entwickeln gemeinsam mit unseren Partnern Strategien, um Materialien länger im Kreislauf zu halten und Rohstoffe effizienter zu nutzen. Das Ziel: weniger Abfall, geringerer Ressourcenverbrauch und innovative Geschäftsmodelle, die langfristig wirtschaftlichen und ökologischen Erfolg vereinen.
Die Umsetzung solcher Konzepte erfordert Akzeptanz, Bewusstseinsbildung und vor allem Kooperation. Forschung und Industrie müssen gemeinsam handeln und die Politik muss unterstützen, nur gemeinsam können wir nachhaltige Veränderungen voranzutreiben.

Fazit: Der Weg in eine lebenswerte Zukunft
Eine lebenswerte Zukunft ist keine ferne Utopie, sondern das Ergebnis der Entscheidungen, die wir heute treffen. Sie erfordert den Mut zur Innovation, das Bewusstsein für Nachhaltigkeit und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit.
Wenn Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik gemeinsam Verantwortung übernehmen, können wir nachhaltige Lösungen entwickeln, die weit über die Gegenwart hinaus wirken. Durch interdisziplinäre Forschung, verantwortungsbewusstes Wirtschaften und nachhaltiges Handeln lassen sich Brücken bauen – hin zu einer Zukunft, die nicht nur lebenswert ist, sondern auch voller Chancen für kommende Generationen. 

Foto FHV/Bröll

Markus Preißinger ist Forschungsleiter an der FHV – Vorarlberg University of Applied Sciences und treibt innovative Projekte an der Schnittstelle von Wissenschaft und Wirtschaft voran. Mit seinem Hintergrund in angewandter Forschung und seinen Erfahrungen mit Wirtschaft, Industrie und Politik setzt er sich für nachhaltige Technologien und zukunftsfähige Lösungen ein. Als Wissenschaftler will er insbesondere den Nachwuchs befähigen, ihren persönlichen Weg zu gehen und setzt sich dafür ein, dass dieser auch das Thema Nachhaltigkeit beinhaltet.


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