„Klimt hat Rhomberg porträtiert“

Tobias G. Natter. Foto Susanne Einzenberger

Ob Gustav Klimt jemals über den Arlberg reiste, ist nicht bekannt. Als verbürgt gilt jedoch, dass der Wiener Künstler mit dem Dornbirner Textilunternehmer Julius Rhomberg befreundet war. Der auf das „Wiener Fin de siècle“ spezialisierte Kunsthistoriker Tobias G. Natter hat nun die Spuren dieser Verbindung erforscht. Seine Ausstellung „Gustav Klimt und Vorarlberg“ wird im Privatmuseum „Sammlung Hans Bäumler in der Arche Noah – Kunst & Natur“ in Hohenems präsentiert.
Von Nicole Scheyerer

Herr Natter, wie haben sich Gustav Klimt und Julius Rhomberg kennengelernt?
Wir wissen nicht ganz genau, wie die beiden zusammengekommen sind. Julius entstammte dem Textilunternehmen „Herrburger & Rhomberg“, einem der ältesten und größten in Vorarlberg. Nach der Matura lernte er ab 1890 in der Wiener Niederlassung das kaufmännische Geschäft. Er war sieben Jahre jünger als Klimt, der durch Gemälde, etwa im Wiener Burgtheater, schon bekannt und mit einer kaiserlichen Medaille ausgezeichnet worden war.

Hat sich Rhomberg als junger Mann für Kunst interessiert?
Er war von seiner Herkunft eigentlich Textilfabrikant und ein erfolgreicher Unternehmer, aber er interessierte sich lebhaft für Kunst. Auch gab es verschiedene Vorfahren, die künstlerisch tätig waren. Das war vielleicht ein weiterer Grund, warum er die Nähe zu Klimt gesucht hat. Der genaue Anlass ist nicht bekannt. Es gibt auch ein unvollendetes Porträt, das Klimt von Rhomberg gezeichnet hat. Später hat Julius auf der Rückseite handschriftlich vermerkt, dass Klimt im Freundeskreis den Spitznamen „Gustava“ hatte.

Es bestand doch auch eine Beziehung über Klimts Freundin Emilie Flöge?
Ja, das ist eine spannende Verbindung, denn Emilies älterer Bruder Hermann Flöge war Prokurist von „Herrburger & Rhomberg“. Emilie hatte ja dann selbst auch einen Modesalon und viel mit Textilien zu tun. Als Rhomberg und Klimt gemeinsam den Ball der Vorarlberger in Wien besucht haben, hat sich der Künstler fleißig in Emilies heute noch erhaltene Tanzkarte eingetragen. Er schreibt von Liebeszweifeln und dass er ein verliebter Esel sei.

Was ist über die Kontakte zwischen den Flöges und den Rhombergs erhalten?
Hermann Flöge heiratete später Therese Paulick, die eine Villa am Attersee hatte. Dort war Klimt jeden Sommer zu Gast und gemeinsam schrieben sie Grußkarten an den Vorarlberger Freund. Umgekehrt hatte Rhomberg natürlich oft beruflich in Wien zu tun und nutzte die Geschäftsreisen, um das reiche Kulturangebot der Stadt zu nutzen. Öfters war er bei den Flöges zu Gast, traf Klimt und besuchte die Secession. In Briefen an seine Frau schwärmte er, wie ungeheuer anregend diese Treffen waren.

Nahm Klimt Anteil an Rhombergs Werdegang?
Ja, er gratulierte ihm auch mit einer außergewöhnlichen Karte zur Hochzeit. Der Künstler hat nicht viele solcher Karten verschickt. Die Klimt-Spezialistin Marian Bisanz-Prakken hat ihrer Gestaltung in unserem Ausstellungskatalog einen Aufsatz gewidmet. Klimt nimmt auf der rechten Seite Bezug auf das Hochzeitsdatum 1895, während er links auf die gemeinsame Wiener Zeit und ihr Stammlokal Poinstingl in der Nähe von Klimts Wohnung anspielt.

Hat der Jugendstil in Vorarlberg frühe Spuren hinterlassen?
Bemerkenswert ist die große Gewerbeausstellung, die 1900 in Dornbirn stattfand. Dornbirn hatte sich damals als Zentrum der Textilindustrie etabliert und diese Leistungsschau sollte die Dynamik der ansässigen Unternehmen präsentieren – auch in Hinblick auf die geplante Stadterhebung, zu der es im Folgejahr kam. Besonders der Textilpavillon war ganz im Jugendstil gestaltet, sicherlich unter dem Einfluss von Rhomberg. Avantgardistisch waren die Möbel des Architekten und Kulturreformers Adolf Loos, damals das beste und modernste Design.

Hat Rhombergs Faible für moderne Kunst auch in seiner Firma Spuren hinterlassen?
Ja, das wird besonders deutlich bei der Kunstschau 1908. Sie war die vielleicht wichtigste Kunstausstellung, die je in Österreich stattfand, mit Klimt im Mittelpunkt. „Herrburger & Rhomberg“ war als einzige Vorarlberger Firma daran beteiligt. Dort ging es darum, nicht nur schöne Bilder an die Wand zu hängen, sondern im Sinne des Gesamtkunstwerks das ganze Leben künstlerisch zu erfassen. Man wollte die überkommenen Grenzen zwischen freier und angewandter Kunst überwinden. Die Veranstalter hatten die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit von Kunst und Industrie erkannt. Rhomberg war Teil dieser Bewegung. Für die Kunstschau lieferte er Tischdecken und Polster im Kaffeehaus, auf der Gartenterrasse und auch in den Ausstellungsräumen. Etliche dieser modernen und wunderbaren Stoffe zeigen wir in Hohenems. Später setzte Rhomberg diesen Weg fort und beauftragte Künstlerinnen und Künstler aus dem Klimt-Umfeld mit weiteren Entwürfen.

Hat Rhomberg seine eigene künstlerische Ader weiterverfolgt?
Ja, Rhomberg hat selbst gemalt. Ein Höhepunkt seiner „Künstlerkarriere“ war 1909 seine Teilnahme an der „Amateur-Ausstellung“ in der Galerie Miethke. Das war nicht irgendeine Galerie, sondern Wiens führende Kunsthandlung, die Klimt exklusiv vertrat und laufend Werke von Monet, Cézanne, Manet und anderen präsentierte. Als Kaiser Franz Joseph die Ausstellung besuchte, war das natürlich eine außerordentliche Auszeichnung. Der Kaiser marschierte durch die Galerie, blieb vor einem Dornbirn-Gemälde des Herrn Romberg stehen und sagte anerkennend: „Das ist sehr frisch empfunden.“ Wie stolz Rhomberg über die Zeitungsberichte dieses Lobs war, kann man sich gut vorstellen.

Wie kam es überhaupt zu dieser Ausstellung?
Die Firma „Bäumler“ war eine große Vorarlberger Textilfirma. Als der Eigentümer Hans Bäumler das Unternehmen verkaufte, begann er Kunst zu sammeln. Heute umfasst seine Sammlung großartige Sammlungsbestände, unter anderem Werke von Claude Monet und Paul Gauguin, von Waldmüller und vielen anderen. Diese Sammlung macht Hans Bäumler nicht nur öffentlich zugänglich, er startet mit „Gustav Klimt und Vorarlberg“ auch einen Ausstellungsbetrieb.

Ausstellungsansichten. Foto Heidegger Fotografie

„Gustav Klimt und Vorarlberg“
Arche Noah – Kunst & Natur
Markus-Sittikus-Straße 20, 6845 Hohenems
Ausstellungsdauer: 27.09.2025 – 06.01.2026
Freitag 11 – 18 Uhr, Samstag 11 – 17 Uhr, Sonntag 11 – 17 Uhr
www.arche-noah-museum.at


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