Mehr Grün für Grün-Weiß!

Zu den ganz großen Namen im heimischen Fußball zählt „Austria Lustenau“ nicht, derzeit spielt der Verein „nur“ in der zweiten Liga. Aber immerhin ist man seit über 30 Jahren Bestandteil des heimischen Profi-Fußballs. Nun will man im Bereich Nachhaltigkeit zum Spitzenreiter werden.
Von Matthias Köb

Dass das Thema Nachhaltigkeit für Bernd Bösch ein wichtiges ist, ist bei einem Blick auf seinen Lebenslauf wenig überraschend. Schließlich war er über drei Jahrzehnte für die Grünen in der Politik aktiv. Heute ist er bei den Grün-Weißen, allerdings nicht mehr in der Politik, sondern im Fußball: Bösch ist Vorstandssprecher von „Austria Lustenau“. Ebendieser Verein sorgte vor rund drei Jahren mit der Ankündigung für Aufsehen, man wolle der „grünste Profiverein Österreichs“ werden. Ein hohes Ziel und eine große strategische Entscheidung, für die Bösch jedoch nicht lange werben musste: „Wir haben das im Vorstandsteam beschlossen – und zwar mit großer Übereinstimmung. Ein Verein hat auch eine soziale Verantwortung und da gehört die Ökologie einfach dazu.“ Im Umfeld des Vereins, bei Fans und Mitgliedern, sei diese Entscheidung positiv aufgenommen worden. „Dieses Commitment von allen Seiten erleichtert die Umsetzung konkreter Maßnahmen massiv“, so Bösch, der darin einen Unterschied zu seiner Zeit in der Politik sieht. „Wenn es in der Politik darum ging, Ziele für die nächsten zehn Jahre zu formulieren, hat man recht einfach Mehrheiten gefunden. Bei konkreten Maßnahmen wurde es oft schwierig.“


Foto Austria Lustenau

Seit 2019 ist der ehemalige Grünen-Politiker Bernd Bösch Vorstandssprecher von „Austria Lustenau“.

Auch deshalb relativiert er das selbstformulierte Ziel „grünster Fußballverein Österreichs“ ein wenig. Einerseits sei es schwer überprüfbar, weil man die unterschiedlichen Vereine nicht 1:1 vergleichen könne, andererseits gehe es ohnehin mehr darum, das Thema Nachhaltigkeit schlicht bei allen Entscheidungen als wichtiges Kriterium einfließen zu lassen. Dadurch sollen etwa die Scope-1-Emissionen, also die direkt verursachten Emissionen, um 70 Prozent reduziert werden. Wo man hier genau steht, kann Bösch derzeit nicht sagen. Der Hintergrund: „Wir waren Teil der turn-to-zero-Initiative, die das Monitoring diesbezüglich gemacht hat. Diese Initiative wurde aber beendet, das heißt, wir müssen das Monitoring nun neu aufstellen“, so Bösch, der die Austria aber zweifellos auf einem guten Weg sieht und das mit zahlreichen Beispielen belegt: Bei Verbrauchsmaterialien – etwa Essensverpackungen im Stadion – setzt man auf kompostierbare Produkte, die Bewässerung des Rasens erfolgt ohne Frischwasser mittels Grundwasserpumpe, zudem verzichtet man bei der Rasenpflege auf den Einsatz von Pestiziden. In der Gastronomie verwendet man Lebensmittel aus regionaler Erzeugung, bei den Getränken gibt es mittlerweile ein Mehrwegbecher-System. „Alleine das spart uns rund eine Tonne Plastik pro Spiel.“ Zudem verzichtet man bei den Auswärtsspielen komplett auf Flugreisen.

Ein Meilenstein im Hinblick auf Nachhaltigkeit ist auch das neue Stadion, das im Juli 2025 offiziell eröffnet wurde, inklusive neuem Clubheim und Austria-Dorf. Zur Erklärung für Nicht-Fußball-Fans: Das Austria-Dorf ist das Areal hinter der Nordtribüne, das nach dem Spiel zum Treffpunkt für Besucher und Besucherinnen wird. „Überall, wo es möglich war, haben wir mit Holz einen nachhaltigen Baustoff verwendet. Auch das Stadion wurde mit einem großen Holzanteil gebaut. Im nächsten Jahr kommt noch eine Photovoltaik-Anlage mit Bürgerbeteiligung dazu.“ Zudem wurden bereits alle Leitungen zum
Kabinentrakt, zur Rasenheizung und zum Clubheim verlegt, um das Stadion dann an das Biomasse-Fernwärmenetz anzuschließen, das derzeit in Lustenau errichtet wird.

Auch einen weiteren Aspekt, der streng genommen außerhalb des Stadions liegt, betont Bösch besonders: „Im Gebiet des Stadions gibt es nur 70 Auto-Parkplätze und wir haben keine neuen geschaffen. Stattdessen haben wir nun fast 1.000 Fahrradabstellplätze“, so Bösch. „Beim ersten Meisterschaftsspiel im neuen Stadion sind rund ein Drittel der Fans mit dem Fahrrad angereist.“ Derzeit gibt es noch die Möglichkeit, auf den Wiesenflächen im nahe gelegenen Rheinvorland zu parken, nach der Umsetzung des Hochwasserschutzprojekts „Rhesi“ werden auch diese „Parkplätze“ nicht mehr zur Verfügung stehen. Für die Zukunft gibt es aber auch schon eine Lösung: „Im Industrie- und Gewerbegebiet um das Stadion gibt es zahlreiche Parkplätze, die an den Wochenenden und am Abend ungenutzt sind. Anstatt neue Parkplätze zu schaffen und Flächen zu versiegeln, wird es ein Konzept mit Shuttlebussen geben, das den Fans die Nutzung von bereits vorhandenen Parkplätzen ermöglicht“, so Bösch.

Gerade die Investitionen im Bereich Clubheim und Austria-Dorf – das Stadion selbst wurde von der Gemeinde mit Unterstützung des Landes Vorarlberg errichtet – sind für einen Verein wie die „Austria Lustenau“ eine Herausforderung, insbesondere nach dem Abstieg aus der Bundesliga. „In der zweiten Liga müssen die Vereine jeden Euro zwei Mal umdrehen“, so Bösch, der auch klar sagt: „Das Budget für die Mannschaft, für den sportlichen Bereich wäre ohne diese Investitionen größer gewesen.“

Dass man Investitionen im Bereich Nachhaltigkeit tätigt, die auch auf Kosten des sportlichen Budgets gehen, ist durchaus bemerkenswert, denn gerade im Profi-Sport ist Nachhaltigkeit oft noch eine Randnotiz. Zwar habe die Bundesliga mittlerweile Nachhaltigkeit als wichtiges Kriterium in die Förderrichtlinien aufgenommen, dass das Thema bei anderen Vereinen aber eine wirklich große Rolle spielt, bezweifelt Bösch. „Jeder Verein weiß, dass er etwas tun muss oder sollte. Aber ich glaube, es ist nicht das größte Anliegen. Man redet mehr über sportliche Zielsetzungen als über soziale und ökologische Verantwortung.“

Dabei hätten gerade Sportvereine großes Potenzial, Menschen im Hinblick auf das Thema Nachhaltigkeit zu erreichen und zu sensibilisieren, schließlich identifizieren sich Fans oftmals sehr stark mit ihren Lieblingsclubs. „Ich glaube, dass man zu wenig Menschen erreicht, wenn Appelle nur über den Kopf und logische Argumente kommen – auch wenn es davon genug gibt“, erklärt Bösch und ergänzt: „Man muss mit dem Thema in die Herzen der Menschen kommen. Und dort kommt ein Fußballverein vielleicht manchmal leichter hin.“ 


VORARLBERG Ausgabe


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