Silvretta vs.Sonne
Bild: Technischer Support mitten in der Wüste.
32 Teams fahren vom 24. bis 31. August mit ihren Autos im australischen Outback um den Sieg bei der „Bridgestone World Solar Challenge“. Das Besondere dabei: Die Fahrzeuge werden ausschließlich von Sonnenenergie angetrieben. Mittendrin das studentische Team der ETH Zürich mit ihrem Solarmobil „Silvretta“.
Text Daniel Furxer, Fotos aCentauri Solar Racing
Lautlos gleitet das flache Auto, das wie eine Rakete mit Solarpaneelflügel aussieht, über den Asphalt. Es ist staubig, es ist heiß, ab und zu sind ein paar Bäume am Straßenrand zu sehen. Das Auto bewegt sich mit bis zu 120 Stundenkilometern durch die karge Landschaft. Die Hitze ist drückend, aber die Fahrerin im Monoposto kommt gut damit zurecht. Viele Stunden haben sich die sechs Fahrerinnen und Fahrer, die sich die über 3.000 Kilometer lange Strecke durch das Outback von Australien untereinander aufteilen, auf diese Situation vorbereitet. Jetzt sind sie unterwegs, im wohl härtesten Straßenrennen, das eine Woche dauert.

Das Team der ETH Zürich, „aCentauri Solar Racing“, ist nach 2023 zum zweiten Mal bei der „Bridgestone World Solar Challenge“ am Start. Mit einem Solarauto, das noch aero-dynamischer ist als sein Vorgänger. Insgesamt 60 Personen waren am Bau und an den Vorbereitungen beteiligt – aus den Studiengängen Elektrotechnik und Maschinenbau bis hin zu Physik und Informatik. Clara Nörenberg (22) ist ebenfalls zum zweiten Mal dabei, heuer in der Rolle der Teammanagerin. Sie ist die Ansprechperson für die Organisationsleitung, ist in die Planung involviert und trifft mit dem Race-Manager alle wichtigen Entscheidungen, wie das 30-köpfige Team vor Ort eingesetzt wird. „Als ich vor zwei Jahren dazugestoßen bin, war alles noch ganz neu. Das Projekt Solarauto war bei der ETH Zürich gerade frisch aus der Taufe gehoben worden, das faszinierte mich damals sehr. Neben meinem Bachelorstudium war das eine Tätigkeit, die mich immer mehr und am Ende des Projekts vollends beschäftigt hat. Man arbeitet mit so vielen motivierten Leuten zusammen, die das beste Auto der Welt bauen wollen und wirklich Tag und Nacht opfern, um dieses Ziel zu erreichen. Als Teammanagerin gilt für mich: Ich kann viel mitgestalten und der Weg ist noch nicht vorgegeben. Darum macht dieses Projekt einfach super viel Spaß.“


Ehrgeizige Teams aus der ganzen Welt
32 Teams aus der ganzen Welt starteten am 24. August in Darwin mit ihren selbst gebauten Solarmobilen – die Route führt quer durch Australien bis nach Adelaide. Das Rennen wurde 1987 erstmals ausgetragen und wirbt für Innovationen im Bereich nachhaltiger Mobilität und erneuerbarer Energie. Gefahren wird von acht Uhr morgens bis fünf Uhr nachmittags. Auf der Strecke gibt es insgesamt neun Checkpoints, wo die Autos angehalten und unter anderem auf Regelkonformität geprüft werden. Das Reglement ist streng: Die Autos dürfen maximal 5,8 Meter lang und 2,3 Meter breit sein. Lediglich 6 Quadratmeter Solarpaneele dürfen auf dem Auto angebracht werden, die maximal 1.200 Watt Energie erzeugen können. Das Auto muss eine Hupe haben und absperrbar, also auch straßentauglich sein. Immerhin führt die Route neben den vielen Stunden durch flaches, unbewohntes Gebiet auch durch drei Städte. „Das Fahren durch die Stadt kann durch den vielen Verkehr schon anstrengend sein, gerade bei der Zielankunft in Adelaide. Zum Glück ist vorgeschrieben, dass vor und hinter dem Solarmobil ein Begleitfahrzeug mitfährt, damit es im Verkehr gut erkennbar ist.“
Übernachtet wird im Outback. „Natürlich nicht irgendwo“, lacht Nörenberg. „Wir suchen uns eine flache Stelle, wo wir unsere Zelte aufschlagen können und nur wenige Bäume rundherum sind. So können wir die Batterien unseres Solarmobils, bestehend aus widerstandsfähigen 43 Lithium-Eisenphosphat-Zellen, in den Abendstunden volltanken“, erklärt sie. Weitere Fahrzeuge des Support-Teams begleiten das Solarmobil während der gesamten Strecke. Mechanikerinnen, Techniker und Logistikerinnen. Wie groß ist der Konkurrenzdruck? „Klar gibt es den, jede und jeder will gewinnen. Aber es gibt auch sehr viel Kollegialität. In den Vorbereitungswochen, in denen wir das Auto getestet haben, hatten wir viel Kontakt mit den anderen Teams. Grillpartys, technischer Austausch und auch das Ausleihen von Werkzeug sind ganz üblich. Es ist ein großes internationales Treffen von Studierenden aus der ganzen Welt. Das macht das Flair dieser Veranstaltung aus“, so Clara Nörenberg.

Clara Nörenberg
Taktik in der Wüste
Die Autos sehen sich optisch sehr ähnlich und sind entweder raketen- oder katamaranförmig gebaut. Auch bei den Solarpaneelen gibt es kaum Unterschiede. Wie können also die anderen Teams ausgetrickst werden? „Die Taktik kann entscheidend sein und ist ein wichtiger Punkt bei diesem Rennen. In der Sonne wird langsamer gefahren. Wenn es bewölkt ist, fährt man schneller, um wieder in die Sonne zu kommen“, erklärt Nörenberg eine Strategiemöglichkeit. Abhängig von der Bauweise des Autos, dem Wetter und anderen äußeren Einflüssen kann man eine gewisse Geschwindigkeit fahren. Taktisch wird die beste Durchschnittsgeschwindigkeit bestimmt, denn eine konstante ist am effizientesten. „Unser Ziel ist es, dieses Jahr das Rennen in fünf Tagen zu absolvieren, 2023 waren es sechs. Wir möchten die Lücke zu den Top-Teams schließen, aber es ist schwierig zu sagen, wie viele das sein werden. Die Besten sind heuer sicher wieder die Teams aus Japan, Minnesota und natürlich den Niederlanden, das auch vor zwei Jahren gewonnen hat.“

Kommunikation und Logistikunterstützung durch Gebrüder Weiss
Das ganze Projekt wäre kaum zu bewältigen, hätten die Studentinnen und Studenten nicht die Unterstützung des Logistikpartners Gebrüder Weiss. Die Vorarlberger Firma stellte ihr gesamtes Know-how zur Verfügung, um ein Solarauto sicher zu verpacken und heil nach Australien zu fliegen. „Das war definitiv kein Standardtransport“, so Frank Haas, Marketing- und Kommunikationsleiter bei Gebrüder Weiss. „Wir hatten beim Terminal in Wolfurt die Möglichkeit, das Auto flugtauglich einzuchecken. Danach ging die Fracht per Lkw nach Frankfurt, dem Startflughafen.“ Bereits im April wurde das technische Equipment per Seefracht nach Australien verschickt. Ende Juni trat das Fahrzeug selbst seine Reise an. Aber nicht nur das: Gebrüder Weiss unterstützt das „aCentauri Solar Racing Team“ auch in der Öffentlichkeitsarbeit. „Ich glaube, die Studierenden wissen es zu schätzen, dass wir Pressetermine koordinieren und Presseaussendungen, Fotos und Videos zur Verfügung stellen, damit sie sich auf ihr Kerngeschäft, den Bau des Autos, fokussieren können. Unsere Partnerschaft ist langjährig und für die Zukunft angelegt.“ Die Affinität zu Solarenergie ist für Gebrüder Weiss Teil der Firmenphilosophie. Mehrere E-Lkws und viele Quadratmeter Solarpaneele auf den Betriebsdächern sprechen für die Bereitschaft, eine umweltschonende Zukunft anzugehen. Die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Universität, Forschungsprojekt und Start-up ist so für beide Seiten fruchtbar und bringt Forschung und Praxis näher zusammen. Frank Haas abschließend: „Ich wünsche dem Team, dass sich das neue Auto bewährt, sie unfallfrei die Strecke bewältigen und das Ziel erreichen, das sie sich vorgenommen haben.“ Zum Zeitpunkt der Drucklegung lief die „Bridgestone World Solar Challenge“ noch. Wer das Rennen für sich entscheiden konnte, erfahren Sie auf unseren Social-Media-Kanälen.
Bridgestone World Solar Challenge 2025
24. bis 31. August
32 Teams (in drei Kategorien)
Gesamtstrecke: 3.000 km
Von Darwin nach Adelaide
9 Checkpoints
biennal seit 1987
Richtlinien der Solarautos:
maximal 5,8 m lang und 2,3 m breit
6 m2 Solarpaneele, max. 1.200 W Energie
worldsolarchallenge.org
aCentauri Solar Racing Team
Solarauto „Silvretta“
Reichweite im Dunkeln: über 400 km
Geschwindigkeit mit Solarenergie: 80 km/h
Höchstgeschwindigkeit: 120 km/h
Gewicht: 188 kg
acentauri.ch






